Sonntagsballade

Erinnert ihr euch an mein Buch « Novembersommer »? Genauso ist es gerade – Sonne, blauer Himmel und unbändige Lust auf Entdeckungen! Ralf fragte mich nach dem gemütlichen Sonntagsfrühstück, ob er das Ziel für den Ausflug wählen könne. Da ich noch immer sehr unbedarft bin im Orientieren, sagte ich sogleich laut und deutlich « Ja, gerne! »
Wir landeten dann in Palavas an einem Boulevard, den wir äußerst selten besucht hatten und genossen zusammen den Spaziergang über die Mole mit Blick auf zahlreiche, sonntägliche Segel- und Angelfreunde sowie einen Flohmarkt. Zum ersten Mal machten wir eine Gondelfahrt über den Kanal und wir beschlossen, hier demnächst mal frischen Fisch zu kaufen. Ein herrlicher Vormittag am Meer war das! Daheim wurde wieder gut gekocht: Doradenfilet mit Fenchelgemüse und Kartoffelbrei. Das Wetter ließ es sogar zu, dass wir auf dem Balkon unsere Mahlzeit einnehmen konnten. Nun ist relaxen angesagt!

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Herbstspaziergänge durch Montpellier

Am Samstag, den 2. November, musste Birgit arbeiten und so machte ich mich mal wieder auf in die Altstadt von Montpellier. Auf dem Programm standen die Galerie Nef und die neue Fotoausstellung im Pavillon Populaire. In der Galerie entdeckte ich ein paar schöne Ohrringe für meine Liebste, doch war ich nicht sicher, wie sie sich an ihren Ohren machen würden. Schön, dass ich sie für ein paar Tage zurücklegen lassen konnte. Quer durch die Filmkulissen des Historischen Zentrums ging ich zur Ausstellung, in der Fotos und Videos der österreichischen Künstlerin Valie Export gezeigt wurden. Irgendwie konnte aber der Funke aus Feminismus und Performance nicht so recht überspringen…

Eine Woche später fanden wir endlich Zeit, gemeinsam in die Stadt zu gehen und nach den Ohrringen zu schauen. Ja, schön sehen sie aus! 🙂 Anschließend wollten wir in der Innenstadt einkehren. Birgit konnte sich an eine kleine Crêperie erinnern, in der wir noch nie waren. Hin und her durch die Gassen fanden wir sie und bestellten leckere Galettes. Wir waren sicher nicht zum letzten Mal in diesem hübschen kleinen Etablissement. Danach statteten wir dem Museum Fabre einen Besuch ab. Dank Jahreskarte können wir dort nach Belieben Ein- und Ausgehen. Ziel unseres Besuchs war die kleine Sonderausstellung « Guten Tag, Herr Courbet ». Ganz verstanden wir nicht, was es mit der Geschichte dieses Bildes – « Die Begegnung » oder « Guten Tag, Herr Courbet » – auf sich hat, aber es ist ein Werk der klassischen Moderne, das sogar mal auf einer französischen Briefmarke abgebildet war.

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Allerheiligen in der Camargue

Allerheiligen ist in Frankreich ein Feiertag und somit hatten wir beide frei. Birgit schlug vor, nach Saintes-Maries-de-la-Mer zu fahren. Dort waren wir schon lange nicht und ich plante geschwind eine kurze Wander-Rundtour in der Camargue. Vom Ortsrand war es nicht weit zum Eingang in den Nationalpark mit Reihern, Kormoranen und Flamingos. Wir liefen entlang der Kanäle und erfreuten uns an den farbenfrohen Naturgebilden – kleine abstrakte Kunstwerke aus Sand und Schlick. Aus der Rundtour wurde es allerdings nichts, da wir plötzlich vor einem gefluteten Bereich standen, den zu durchlaufen wir uns nicht durchringen konnten. So liefen wir ein Stück zurück und fanden bald eine alternative Wegführung. In Saintes-Maries-de-la-Mer aßen wir lecker zu Mittag: Ralf eine Fischkomposition und Birgit ein Stierragout. Danach schlenderten wir noch auf der Strandpromenade und durch die größer-als-gedachte Innenstadt, in der wir Birgits Kollegin Stefanie samt Familie begegneten. Voll schöner Eindrücke fuhren wir zurück nach Montpellier, jedoch nicht ohne noch Eclair und Aprikosentartelette für die Kaffeetafel mitzunehmen…

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Montpellier, eine Stadt mit vielen Gesichtern

Während der Stadtrundfahrt mit meinen Eltern entdeckte Birgit ein tolles neues Graffiti. So hatten wir ein schönes Ziel für einen Samstagnachmittagsspaziergang. Aber erstmal liefen wir zum Nef, unserer Lieblingsgalerie für zeitgenössisches Kunsthandwerk. Wieder gab es schöne Exponate zu entdecken. Aber es gab noch mehr zu entdecken! Völlig unerwartet gelangten wir durch die Fakultät für Recht und Politikwissenschaften zum alten Kloster von Montpellier. Das war spannend, da wir davon noch nie etwas gehört hatten. Guillaume de Grimoard (1310 – 1370) hatte an dieser Stelle als Doktor des Kirchenrechts gelehrt, bevor er 1362 als Urban V. zum Papst gewählt wurde. Wieder etwas gelernt.

Neugierig geworden durch Birgits Besuche im Stadtviertel Parc Marianne wollten wir es nun endlich mal wieder gemeinsam besuchen. Diese Ecke von Montpellier hat sich in den letzten Jahren unglaublich gewandelt von eher naturbelassenem Brachland hin zu einem modernen Wohnviertel. Zentraler Bereich zum Flanieren ist das Bassin Jacques Cœur. Wer war diese Person?
Jacques Cœur lebte im 15. Jahrhundert und war französischer Kaufmann und Kreditgeber des Königshauses – er galt zu seiner Zeit als reichster Mann Frankreichs. Dank seines Ansehens wurde er Mitglied des königlichen Rates von Karl VII. – bis sich dieser des Mannes entledigen wollte, bei dem er inzwischen erhebliche Schulden angehäuft hatte. Nach einer Intrige, Verhaftung, Enteignung und Flucht aus dem Gefängnis starb er 1456 als Mitglied der päpstlichen Flotte gegen die Türken auf der griechischen Insel Chios.
Gegenüber vom Lez wird das Viertel vom Neuen Rathaus dominiert, ein architektonisch imposanter Quader mit angrenzendem Park, der als beliebtes Fotomotiv herhalten musste. Wahrlich, Montpellier ist eine Stadt mit vielen Gesichtern.

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Herbststurm und Farbiger Einkaufsbummel in Montpellier

Von alerte orange, Starkregen und Überschwemmungen war an dem MitteOktoberSonntag, den 20.10., noch nicht viel zu spüren, obwohl es recht stürmisch war. Aber das war ja jahreszeitgemäß!
Unser Ziel war mal wieder die Landschaft um und am Lez. Langsam färben sich die Blätter. Es raschelt und man kann interessante Naturdekorationen entdecken.

Mild und freundlich war es nach dem Unwetter vom 23. Oktober dann wieder geworden. Für Sonntag hatten wir uns Gäste eingeladen und gingen bei herrlichstem Sonnenschein zu Fuß ins Stadtzentrum, um für das geplante Essen einzukaufen. Unterwegs hielt ich Ausschau nach Besonderheiten, wobei die Farben Gelb und Rot dominieren sollten. Dadurch entstanden einige Schnappschüsse, die ihr nun zu sehen bekommt!

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Mit den Berlinern durch Montpellier und Palavas-les-Flots

12. Oktober. Für Samstag war Schlechtwetter angesagt und die Eltern wollten auch mal etwas kürzer treten. So fuhr ich morgens mit meinem Vater in den Supermarkt, um ein paar Zutaten fürs Mittagsmenü zu besorgen: Ich kochte die berühmte belgische Zwiebelsauce à la Claude, dazu gab’s Kartoffelbrei à la Birgit und Bratwürste à la Ralf. 🙂 Den Nachmittag nutzten wir für eine Stadtrundfahrt mit dem kleinen Panoramabus, Abfahrt vom Place de la Comédie. Es ging durch Antigone bis raus zum Odysseum und dann zurück ein Stück durch die Altstadt – eine interessante Tour!

14. Oktober. Montag musste Birgit wieder arbeiten und wie wiederholten das Spiel vom Donnerstag. Sie hatte auch die tolle Idee, dass wir im Drehrestaurant vom Turm zu Palavas-les-Flots zu Mittag essen könnten. Das wäre sicher ein bleibendes Erlebnis! Gesagt… und nicht getan, denn leider war das Restaurant geschlossen. 🙁 Da die Saison bereits dem Ende zueilte, gab es nicht mehr furchtbar viele Möglichkeiten. Dennoch wurden wir fündig, doch die von meinen Eltern bestellte Entenbrust konnte sich nicht mit der, die ich in den alten Bädern von Montpellier gegessen hatte, messen. Tja… von meinem Vorschlag, besser die Gardiane vom Stier, eine Art Gulasch, zu nehmen, ließen sie sich nicht überzeugen – mir schmeckte sie. Nach dem Essen ging’s raus und rauf auf die Mole, der Wind blies kräftig und die Wellen schlugen hoch. So konnten sich die Eltern nochmal richtig die Seeluft in die Nase blasen lassen, bevor es tags darauf per Direktflug zurück in die Heimat ging. Das war eine schöne Woche mit altersgerechten Erlebnissen, an die wir uns alle noch lange erinnern werden. 🙂

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Mit den Berlinern unterwegs

10. Oktober. Ich hatte drei Tage freigenommen, um sie gemeinsam mit meinen Eltern zu verleben. Birgit musste am Donnerstag arbeiten, weshalb ich sie vor dem Hahnenschrei zur Arbeit fuhr, um somit unser Auto für einen Ausflug nutzen zu können. Meinem Vater hatte es beim letzten Besuch so gut in Sète gefallen, so dass wir nochmal dorthin fuhren. Als erstes ging es hinauf auf den Mont Saint-Clair. Während wir voriges Mal die Aussicht auf Stadt und Hafen genossen, besuchten wir dieses Mal den Park auf der Westseite des Berges, von wo man eine herrliche Sicht in Richtung Étang de Thau und Cap d’Agde hat. Bis zu den Pyrenäen konnten wir dieses Mal allerdings nicht blicken.
Nach dem Mittagessen im Restaurant des Museums Paul Valéry (Thunfisch für Ralf, Nudeln für die Eltern) spazierten wir ein wenig auf der Uferpromenade von Sète. Man musste aufpassen, nicht übermütig zu werden! 🙂 Als weitere Station des Ausflugs fuhren wir zu den neun Schleusen von Fonseranes bei Béziers. Beim letzten Besuch konnten wir sie nicht besuchen, da dort ein vollkommen neues Besucherkonzept umgesetzt werden sollte. Dieses Mal hatten wir Glück und wir beobachteten die Schleusenmanöver zweier Wohnboote – deutsche Stimmen waren zu vernehmen. Ob wir das auch mal machen werden, eine Fahrt auf dem Canal du Midi?



11. Oktober. Freitag konnten wir zu viert auf Entdeckung gehen. Als erstes fuhren wir zum Place de la Comédie und liefen von dort zur neuen Markthalle, den Les Halles Laissac. Gleich um die Ecke zeigten wir die Bäckerei « Margot » und kauften dann in der Crèmerie du Faubourg leckeren Käse – jeder durfte sich etwas aussuchen. 🙂 Anschließend speisten wir in einem unserer Lieblingsrestaurants in den alten Bädern von Montpellier: Tataki de thon aux graines de sésames torréfiées für die Eltern, Tartare de Bœuf poêlé tourne retourne aux herbes fraîches für Birgit und Emincé de magret de canard laqué au miel et sésame torréfié für mich. 🙂 Gut gestärkt fuhren wir nach La Grande-Motte, wo wir ins Boot umstiegen und raus aufs Meer fuhren. Aber davon hat Birgit ja schon berichtet…

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Berliner Besuch (Birgit)

Unsere wohl letzten Besucher in diesem Jahr kamen nochmals aus Berlin. Ralfs Eltern, Horst und Margot, nutzten den Direktflug, um ein paar Tage bei uns in Montpellier zu verbringen. Ich holte die beiden vom Flughafen ab und begleitete sie ebenfalls an ihrem ersten Urlaubstag. Morgens ging ich mit Horst durch Boutonnet und kaufte mit ihm Obst ein. Am Nachmittag zeigte ich ihnen das im Entstehen begriffene neue Quartier Port Marianne rund um das Bassin Jaques Coeur und das Rathaus. Die milden Temperaturen erlaubten es, dass wir auf Bänken und in einem Café auf der Terrasse verweilen konnten.

Horst wünschte sich eine Bootsfahrt aufs Mittelmeer und das Wetter blieb trocken. Bereits im Sommer hatten wir einen solchen Ausflug mit den Enkelkindern unternommen und griffen nun auf unsere Erfahrungen zurück. Obwohl die Touristensaison ziemlich vorbei ist, hofften wir, dass noch nicht alle Schiffe im Winterquartier waren. Diese Hoffnung wurde erfüllt! Außerdem ermöglichte unsere Ankunft das Auslaufen des Bootes und darüber freuten sich zwei Urlauber aus dem Elsaß, die uns gleich auf deutsch freudig dankten. Für zwei Personen hätte die Fahrt nicht stattgefunden! Margot und Horst staunten sehr über die ungewöhnliche Architektur in La Grande-Motte und genossen das Flair am Mittelmeer. 🙂
Am Abend spielten wir zu dritt eine Partie Canasta, die von Ralf gewonnen wurde.

Am Sonntag fand ein Treffen der Familie Koebnik in Marseille statt. Ralfs Bruder und seine Frau waren auf der Kreuzfahrt von Genua am Morgen in Marseille angekommen. Wir verabredeten uns zum Lunch und anschließend fuhren wir mit dem Bus Nr. 60 zur Basilika hinauf. Der Ausblick von dort ist atemberaubend! Horst ließ es sich nicht nehmen, etliche Stufen zum Gotteshaus hinauf zu steigen, bevor ein Fahrstuhl entdeckt wurde. Mit dem öffentlichen Bus ging es zurück zum Alten Hafen und während Ralf Peter und Christina zu ihrem Schiff brachte, ließen sich der Rest Familie einen Eiskaffee in der Sonne schmecken. Da dieser riesig daherkam, fiel für Ralf auch noch eine Portion ab.
Am Abend wurde nochmals eine Partie Canasta gespielt, die diesmal Dank Jokercanasta von Horst gewonnen wurde.


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Der Donaudurchbruch und das Schambachtal

Nein, der Donaudurchbruch liegt nicht im Schambachtal, sondern bei Weltenburg. Am Samstag, nachdem wir gut im Altmühltal angekommen waren, fuhren wir mit dem Auto nach Kelheim. Sonnenschein war vorausgesagt und so dachten wir, dass sich eine Bootsfahrt zum Kloster Weltenburg anbieten täte. Alles war zuvor gut recherchiert worden und so wurde ein kostenloser Parkplatz in Flussnähe angesteuert. Von dort waren es nur wenige Schritte bis zum Schiffsanleger. Pünktlich fuhr unser Schiff, die Kelheim, los in Richtung Weltenburg. Unterwegs wurden Erklärungen gegeben zu den Sehenswürdigkeiten rechts und links der Fahrrinne. Als erstes passierten wir die Befreiungshalle, der wir diesmal keinen Besuch abstatteten. 😉 Später konnten wir rechterhand das « Klösterl », ein auf eine Einsiedelei von 1450 zurückgehendes ehemaliges Kloster, erblicken. Und dann kam auch schon bald der berühmte Donaudurchbruch, bevor unser Schiff in der Nähe des Klosters Weltenburg anlegte. Sogleich wälzte sich ein Touristenstrom hinein in den Biergarten der durch und durch kommerzialisierten Benediktinerabtei. 😮 Bis auf die Klosterkirche, in der wir eine Zeit lang einer Führung samt genervter Reiseleiterin lauschten, sind die Gebäude nicht zu besichtigen. Schon bald machten wir uns auf und davon und suchten das Weite in den nahegelegenen Wäldern. Eine schöne Wanderung führte uns oberhalb des rechten Donauufers zurück nach Kelheim, wo wir uns in der Innenstadt im Café Markl an Kaffee und Kuchen gütlich taten. 🙂 Zum Ausklang unseres Ausflugs bestaunten wir noch ein paar Skulpturen am Ufer des Rhein-Main-Donau-Kanals und entdeckten das traditionsreiche Weiße Brauhaus zu Kelheim – das Brauhaus der Schneider Weisse.

Am letzten Urlaubstag, einem Donnerstag, fuhren wir in ein Seitental des Altmühltals, das idyllische Arnsberger Schambachtal. Auf schmalen Pfaden folgten wir dem Römerweg, dem Gloggersteig, dem Dachssteig und dem Rauchenbergersteig. Für mich war diese Tour landschaftlich und wegemäßig der Höhepunkt im Altmühltal. Üppiges Grün, imposante Felspartien, saftige Moose, leuchtende Pilze, federnder Untergrund und Waldesstille erfreuten Auge und Ohr. War da beim Blick auf die Biberbeobachtungsstation etwa ein Biber zu erkennen? Oder waren es doch nur ein paar Enten? Wohl letzteres. Wie dem auch sei, eine wunderbare Tour, die mit Wassertreten im Kneippbecken ihren würdigen Abschluss fand. 🙂

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Die ungeraden Tage in der Tschechischen Republik

Am Sonntag stiegen wir zum ersten Mal in den Böhmischen Regionalzug und fuhren eine Station bis zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Die Zeit im Zug verging so schnell, dass wir gar nicht recht bemerkten, dass kein Schaffner kommt… Eigentlich hätte man am Automaten am vorderen Einstieg eine Fahrkarte lösen müssen. 😮 Schwester Monika war auch mit von der Partie. Leider fuhr aber an diesem Tage die Draisine nicht ins benachbarte Deutschland auf der kürzesten internationalen Bahnverbindung.
In Nové Údolí (Neuthal) angekommen, ließen wir das Kalte-Kriegs-Grenzmuseum rechts bzw. links liegen und liefen in großem Bogen durch die Böhmischen Wälder mit ihren Böhmischen Dörfern. Wiesen- und Hochwaldabschnitte wechselten sich in schöner Folge ab, immer wieder konnten wir Dörfer auf deutscher Seite erblicken, wohingegen die böhmischen Dörfer verlassen, verfallen, verschwunden waren als Folge der Nachkriegsteilung Europas. Der Weg war leider überwiegend geschottert oder geteert und erst am Ende der Tour hatten wir das Glück, auf weichem Waldboden zu wandern, bevor wir an kleinen Birkenwäldchen und Moorgelände zurück nach Stožec gelangten.

Für Dienstag hatte sich Regen angekündigt und wir nutzten die Vormittagsstunden für einen Einkauf in Volary (Wallern). Am Nachmittag wollten wir entlang des Schwarzenberger Schwemmkanals wandern. Laut Navi hätten wir mit der Kirche ums Dorf fahren müssen, um zum Ausgangspunkt unserer Wanderung in Jelení (Hirschbergen) zu gelangen. Wir stellten uns dumm und fuhren verbotenerweise auf gesperrten Forstwegen, was uns die verdutzten Blicke einiger Waldarbeiter einbrachte. 😮
Dann ging die Tour los! Zunächst oberhalb des 419 Meter langen Tunnels, dann entlang des Kanals mit seinen Zuflüssen, Weichen und Schleusen. Der Kanal diente dazu, das im Böhmerwald gefällte Holz in Richtung Wien zu transportieren. Das Projekt war vom Ingenieur Joseph Rosenauer (1735-1804) konzipiert worden und wurde erst lange nach seinem Tode im Jahre 1823 fertiggestellt – nach insgesamt 34 Jahren Bauzeit, also gefühlt so wie beim neuen Berliner Großflughafen. 😉 Alles in allem eine interessante Rundwanderung.
PS: Für die Rückfahrt nahmen wir den Umweg in Kauf, um nicht doch noch einem forstwirtschaftlichen Fahrzeugungetüm auf engem Fahrweg zu begegnen. 🙂

Für Donnerstag, dem letzten Tag im schönen Böhmerwald, hatten wir uns wieder eine Tour mit Bahnfahrt aus dem Rother Wanderführer Böhmerwald ausgesucht. Zunächst fuhren wir mit dem Auto nach Volary, wo wir in den Zug wechselten. Bemerkenswert, wie modern diese Regionalzüge ausgestattet sind mit Echtzeit-Fahrtanzeige und kostenlosem Hochgeschwindigkeits-Internet. Am Ausgangsort unserer Wanderung in Lenora (Eleonorenhain) angekommen, verlief der Weg zunächst oberhalb des Ortes durch eine idyllische Kleingartenanlage. Dann stiegen wir hinab und wanderten zur historischen Säumerbrücke, die über die Warme Moldau führt. Über besagte Brücke, die allerdings als moderne Straßenbrücke rein gar nicht an ihre historische Funktion erinnert, verlief im Mittelalter der sog. Goldene Steig. Anschließend erkundeten wir den Moorlehrpfad mit seinem Aussichtsturm, bevor wir eine Picknickpause auf dem nahegelegenen Campingplatz einlegten. Danach folgte ein herrlicher Wanderabschnitt über Wiesenpfade entlang von Moorgelände und Birkenwäldchen. Später ging es auf einem Sträßchen zurück nach Volary, wo wir uns über den Knödellieferservice und die Flaschensammelbehälter mit Füllstandanzeige amüsierten. 🙂
Zeitig waren wir wieder am Auto, so dass einem abschließenden Einkauf im tschechischen Supermarkt nichts mehr im Wege stand: Deftige Würste, Meerrettich, Kekse und Oblaten – Bier wollten wir erst ihn Bayern erstehen. Am Ende unserer Tage in der Tschechischen Republik ließen wir all die Tiere vor unserem inneren Auge Revue passieren, die wir in den letzten Tagen gesehen hatten: Schafe, Kühe, Ziegen, Pferde, Rehe, Hasen, Eichhörnchen, Hamster, Feldmaus, Biberspuren, Ringelnatter, Blindschleiche, Spechthöhlen, Eisvögel… und ja, auch einen Wolf, als wir nachts aus dem Restaurant in České Žleby zurück nach Stožec fuhren!

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