Unterwegs zwischen Tübingen und Albstadt

Kürzlich wurden wir um schnelle Hilfe in einer familiären Angelegenheit gebeten. Daraufhin fuhren wir Mitte August nach Tübingen, wo wir bis Ende des Monats blieben. In Albstadt-Tailfingen nahmen wir Quartier in einem sehr charmanten, geräumigen Ferienhaus, welches über allerlei Luxus, u.a. eine Sauna, verfügte. Doch zunächst ging es darum, Philipp zu unterstützen. Am ersten Tag standen Ämterbesuche an, so dass ich die Zeit für mich nutzte und in diversen Parks in der Sonne sitzend las. Am nächsten Tag nahmen Apothekenbesuche, Telefonate und erste Aufräumaktionen ihren Lauf. Ich blieb derweil in der Unterkunft und erkundete erstmal die unmittelbare Gegend. Da bei uns im Süden Hitze mit bis zu 40°C herrschte, störte mich der bald einsetzende Regen überhaupt nicht!

Die Gegend um Albstadt, die vor 50 Jahren aus 9 Gemeinden gegründet wurde, wird von den sog. Traufgängen geprägt. Diese sind ebenfalls als Premiumwege kategorisiert worden. Das WE 22.8./23.8. nutzten wir deshalb bei schönem Wetter zum gemeinsamen Wandern.
Die erste Wanderung führte uns über von Wacholder geprägten Wiesen sowie durch schattigen Wald. Die eine oder andere Bank lud zum Rasten und Schauen ein. Auch Kletterbegeisterte kamen nicht zu kurz. Erstaunen und Bewunderung riefen die mit einem Lift hochgezogenen Mountainbiker jeden Alters, die anschließend mutig über verschieden schwierige Strecken ins Tal sausten, hervor. Dabei wurde auch an die Wanderer gedacht, denn es gab jeweils Unterführungen oder Brücken, um sich nicht ins Gehege zu kommen und Unfälle zu vermeiden. Die sog. Sandlöcher waren ein weiterer Höhepunkt der Wanderung. Sie waren entstanden, nachdem zu Sand verwitterter Kalkstein zum Bauen entnommen worden war und sich dann Höhlen bildeten.

Der Sonntag begann mit einem gemütlichen, kompletten Frühstück und danach fuhren wir los nach Burgfelden. Bereits unterwegs überholten wir einen antiken Traktor, ohne zu ahnen, was uns später erwarten würde. Am Zielort herrschte geschäftiges Treiben und der von uns anvisierte Parkplatz war gesperrt. Freundlich wurden wir zu einer großen Wiese umgeleitet, wo uns ein eifriger Wächter einwies. Wir waren mitten in das Schlepperfest von Burgfelden geraten!
Wir rüsteten uns für unsere Wanderung und querten den Ort. Zunächst kamen wir zu einem Felsen und sahen tief hinab. Da hinunter sollte es gehen?! Bedächtig ging es abwärts und irgendwann auch wieder hinauf. Dies sollte uns noch ein weiteres Mal blühen. Besonders beeindruckend waren die Mammutbäume und ihre Geschichte sowie wieder die herrlichen Blicke über die Alb. Ausreichend Bänke luden oft zum Verweilen und Betrachten der Umgebung ein. Das hoch angepriesene Felsenmeer blieb dagegen hinter unseren Erwartungen zurück. Besonders ich war doch ein wenig enttäuscht, denn als Kletterfreundin hatte ich mir mehr versprochen. Zumal unweit von unserem Ferienhaus ein echtes Felsenmeer existierte, das ich bereits bei meiner ersten Erkundungsballade entdeckt hatte. Auf dem Rückweg roch es schon von weitem nach Gebratenem, klang es nach Dorffeststimmung und einige Exemplare der historischen Fahrzeuge standen zum Fotografieren bereit, was ich dann auch tat. Den leiblichen Versuchungen hielten wir stand und kehrten ins gemütliche Heim zurück.

Nach dem gemeinsam verbrachten WE hieß es an den folgenden Tagen für Vater und Sohn erneut nach Tübingen zu fahren, um weitere wichtige Angelegenheiten zu regeln, wie Arzt- und Anwaltsbesuche. Ich nutzte die freie Zeit zum nochmaligen Erkunden der Umgebung. So erlief ich mir Tailfingen in beinahe allen Richtungen, kraxelte erneut durch das Felsenmeer und genoss die Frische im Wald. Sehr fasziniert hat mich das Maschenmuseum und ich kann einen Besuch dort wärmstens empfehlen. Beeindruckt haben mich nicht nur die vielen gut erhaltenen, ausführlich beschriebenen Maschinen, sondern auch die dargestellte Geschichte der Textilverarbeitung, u.a. wie Trikotagen aufgerauht wurden, um wärmer und kuscheliger zu werden. Dazu erfand man eine Kratzenrauhmaschine aus Disteln sowie eine Doppeltambourverfilzungsrauhmaschine – herrliches Wort! Die Mitarbeiter waren überaus freundlich und am Empfang entdeckte ich Erläuterungen in mehrern Sprachen, was für so ein relativ unbekanntes Museum beachtlich schien. Ich stärkte mich danach in der Bäckerei Mahl und trat den Heimaufstieg an. Es galt einige Höhenmeter bis zum Ferienhaus zu bewältigen. Ein gutes Training für die bevorstehenden Herbstwanderungen.

Die Arbeiten in Tübingen kamen gut voran – es wurde geputzt und entrümpelt, so dass wir noch einen gemeinsamen Wandertag einlegen konnten. Dieses Mal wählten wir die Ochsenbergtour, die ihren Anfang am Parkplatz Kälberwiese in Albstadt-Ebingen nahm. Wir kamen an einem Waldkindergarten vorbei, bevor wir den Schnecklesfelsen und die Heidensteinhöhle erreichten. Der Weg durch den Mischwald war abwechslungsreich mit seinem Auf und Ab. Eine Überraschung erwartete uns an der Pausenbank mit angeblichem Alpenblick. Die Alpen sahen wir an diesem Tag nicht, aber die Stadtbibliothek Albstadt-Ebingen hatte eine stabile Bücherkiste mit Inhalt und Gästebuch auf dem Lesebänkle postiert. Selbstredend, dass wir uns mit einem Poem verewigt haben. 🙂 Leichten Fußes ging es auf schmalen Pfaden und über teilweise recht trockene Wiesen zurück zum Parkplatz.

Nachdem wir uns in Tübingen am 29.8. verabschiedet und Philipp zum Bus nach Stuttgart begleitet hatten, unternahmen wir einen kurzen Spaziergang durch die Hölderlinstadt. Wir kauften eine neue Balkontischdecke und ich konnte im Buchladen einfach nicht widerstehen. Die Verlockungen waren zu groß und eine meiner Rentenprämien legte ich in deutschsprachige Literatur an.
Anschließend ging es retour nach Albstadt ins Ferienhaus, wo wir uns stärkten und noch einmal zu einer kleinen Ballade aufbrachen. Vom Raichberg, wo wir den Aussichtsturm bestiegen, liefen wir über eine Wiese bis zu einer Relaxbank, die scheinbar nur auf uns gewartet hatte. Von dort hatten wir wir einen wunderbaren Blick auf die Burg Hohenzollern. Nach einem kleinen Imbiß liefen wir weiter zum Felsen namens Hangender Stein. Dort kamen uns etliche, recht erschöpft scheinende Wanderer entgegen. Sie nahmen an der Albstadt Challenge teil, die über 60 km und 1500 Höhenmeter durch die Alb führte. Wo mag da der Genuss am Wandern sein? Wir stiefelten weiter zum Vogelfelsen und dann zum Parkplatz. Wehmütig nahmen wir Abschied von dieser schönen Gegend und hoffen, dass wir noch einmal hierher reisen können.

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