Nach dem gelungenen Auftakt in den Vogesen fuhren wir ins Flachland, um unsere Verwandten zu besuchen. Die erste Station war in Piesteritz, wo wir nach langer Fahrt bei Birgits Eltern zum Abendessen einkehrten und später in einem Hotel in Bahnhofsnähe unterkamen. Am Abend schlenderten wir noch durch die ungewöhnlich belebten Straßen von Birgits Heimatstadt. Im Brauhaus genehmigten wir uns ein Bierchen vor der Nachtruhe.
Nach dem Frühstück fuhren wir am nächsten Morgen zu Birgits Eltern, wo wir ein Spargelessen zubereiteten und verputzten. Nach dem Verdauungsschlaf bzw. -spaziergang saßen wir gemütlich bei Kaffee und Kuchen im Garten. Abends waren wir bei Thomas und Kerstin zum Grillen eingeladen. Sie hatten allerlei Leckereien vorbereitet und verwöhnten uns sehr. Am Sonntag fuhren wir mit Birgits Eltern ins Landgasthaus Schmidt nach Dietrichsdorf. Den restlichen Tag verbrachten wir in Piesteritz. Nach dem Abendessen und einigen Partien Skip-Bo verabschiedeten wie uns bis zum nächsten Nachmittag.
Am Montagvormittag machten wir einen Ausflug nach Wörlitz, wo wir vor 14 Jahren geheiratet hatten. Bevor wir unseren Spaziergang antraten, hinterlegten wir einige Bücher in der örtlichen Telefonzelle, die eigens für den Büchertausch eingerichtet worden war. Dann ging’s los zum Standesamt, über den Markt vorbei am Restaurant, wo unsere Feier stattgefunden hatte, hinunter zum Bootsanleger. Einige Gondoliere warteten in Gespräche vertieft auf Kundschaft. Plötzlich wurde es lebhaft und Gondeln voller fröhliche Kinder näherten sich dem Steg. Sie feierten Kindertag, denn es war der 1. Juni! Sie winkten uns mit ihren selbst gebastelten Fähnchen. Birgit verspürte große Lust auf eine Gondelfahrt und nach kurzem Zögern willigte ich ein. Wir blieben bis zur Abfahrt die einzigen Gäste und genossen so eine private Rundfahrt. Der Gondoliere erzählte uns Anekdoten, während wir die Seerosenteppiche, Rhododendren, Brückendurchfahrten und Sichtachsen bewunderten. Anschließend liefen wir noch durch den Park, benutzten die Fähren, versteckten uns im Labyrinth, stürmten die Kettenbrücke, lauschten einer Nachtigall und aßen Kirschen vom Baum. Es war ein herrlicher Tag an einem zu jeder Jahreszeit besuchten Ort. Später kauften wir Blumen und Kuchen, um Birgits Eltern zu überraschen. Nach dem Abendessen verabschiedeten wir uns von ihnen für eine ungewisse Zeit. Auf der Terrasse des Hotels gab es noch einen Absacker. Am nächsten Tag setzten wir unsere Reise fort. Das Ziel hieß Berlin.
Von Wittenberg ging es weiter nach Berlin. Für die Fahrt hatte ich noch zwei Ausflugsziele herausgesucht. Als erstes fuhren wir zum Telegrafenberg bei Potsdam, auf dem sich der berühmte Einsteinturm befindet. Den Namen erhielt der Telegrafenberg 1832 wegen der damals dort errichteten optischen Telegrafenstation, eine von 62 Stationen auf der fast 550 km langen Strecke zwischen Berlin und Koblenz, mit deren Hilfe schnellstmöglich Telegramme zwischen der Rheinprovinz und dem preußischen Kernland ausgetauscht werden konnten. Heute befinden sich auf dem Berg der Wissenschaftspark Albert Einstein sowie weitere Forschungseinrichtungen zur Klimafolgenforschung. Wir folgten einem interessanten Rundgang, bei dem wir viel Wissenswertes erfuhren. So wurde z.B. die Form der Erde als « Potsdamer Kartoffel » beschrieben. 🙂 Vor der Weiterreise schnabulierten wir noch Lasagne und Limo im Café Freundlich.
Als nächstes steuerten wir den weitläufigen Waldfriedhof in Stahnsdorf an, auf dem wir gezielt die Grabstellen einiger berühmter Persönlichkeiten suchten, wie z.B. Engelberg Humperdinck, Friedrich Murnau, Otto Graf Lambsdorff und Heinrich Zille. Gut, dass einige der Grabstellen bei Komoot vermerkt waren, was die Suche ungemein erleichterte. 😉 Die Stabkirche konnten wir zwar nur von außen bewundern, da gerade eine Trauerfeier stattfand, aber auch so zog sie uns in ihren Bann und weckte Erinnerungen an unsere Reise nach Norwegen. 🙂 Anschließend ging es weiter nach Berlin, wo wir den Abend bei einem Glas Bier auf Papas Balkon in Hohenschönhausen ausklingen ließen.
Tags darauf war Horst beschäftigt und wir fuhren zu zweit in die Märkische Schweiz zum Schermützelsee. Dort befindet sich das Brecht-Weigel-Haus, dass sich das Künstlerehepaar Anfang der 50er Jahre in Buckow zugelegt hatte. Da diese Gedenkstätte erst mittags öffnet, nutzen wir den Vormittag für eine erholsame 8km-Wanderung rund um den Schermützelsee. Immer wieder stießen wir auf die Spuren emsiger Biber – uns wiederum plagten emsige Mückenschwärme, derer wir uns nur durch fortwährende Bewegung und zugezogene Kleidungsstücke erwehren konnten. Am Ufer des Sees nahmen wir einen Imbiss mir Currywurst und Pommes ein, bevor wir uns in aller Seelenruhe durch die Räumlickkeiten der Gedenkstätte treiben ließen. Besonders gefielen uns die Buckower Elegien, die auf Metalltafeln im Garten verewigt waren.
Den anschließenden Tag verlebten wir im Familienkreis mit Spargelessen im Spargelhof Kremmen und süßer Schlemmerei im Café Constance zu Wustrau, bevor wir durch ein heftiges Unwetter zurück nach Berlin gelangten. Der nächste Tag sollte wieder mal unliebsame Überraschungen und einen Eklat mit Philipp bereithalten, der sich leider nach wie vor nicht helfen lassen möchte.