Da unser Urlaub zum Jahreswechsel wegen Krankheit ausgefallen war, holten wir diesen nun mit einem Aufenthalt im Luberon nach. Wir hatten eine FeWo im uns bereits bekannten Städtchen L’Isle-sur-la-Sorgue gemietet und einige Ausflugsziele geplant. Auf dem Weg zum Urlaubsort besuchten wir eine Ausstellung der Sammlung von Oscar Ghez im Palais Caumont in Aix-en-Provence. Dort und während der gesamten Fahrt regnete es in Strömen. An den nächsten Tagen war das Wetter insgesamt sonnig. Allerdings frischte der Wind immer mehr auf, bevor es am Tag der Abreise zu einem empfindlichen Temperaturabfall kam.
Tag 1: Montag, 23.3.2026
Für den ersten Urlaubstag war eine Wanderung durch die Veroncle-Schlucht geplant. Den kleinen, unscheinbaren Wanderparkplatz fanden wir nach kurzer Zeit und hatten von dort einen schönen Blick auf das Dorf Gordes sowie auf blühende Kirschbäume. Ein junges Pärchen gesellte sich zu uns und es stellte sich heraus, dass sie aus England kamen, um die Gegend hier zu entdecken. Wir unterhielten uns kurz und gingen dann jeder seiner Wege. Steil hinab führte ein Pfad in die Schlucht bis zu einer Mühlenruine. Von dort kletterten wir ein Stück hinauf, bis wir zu einem schmalen Weg gelangten, der völlig überschwemmt war. Vor uns lief bereits eine drei-köpfige Familie und wir bemerkten, dass sie barfuß durch eine Wasserstelle wateten. Wir taten es ihnen gleich und erlebten so eine unfreiwillige Kneippkur. Danach musste eine Leiter erklommen werden, um die Wanderung fortzusetzen. Ich war bereits oben, als mir die drei wieder entgegen kamen. « Oh, geht es nicht weiter? » fragte ich. « Zu viel Wasser, zu gefährlich! » bekam ich zur Antwort. Ihr Akzent verriet mir, dass es sich nicht um Franzosen handelte und ich fragte, woher sie kommen. Sie waren aus Kanada, also wahrscheinlich Wildniserfahren. Ich rief Ralf zu, er solle unten bleiben, weil wir abbrechen müssten. Ich stieg sehr vorsichtig wieder hinab und schweren Herzens drehten wir um. Der Tag war noch jung und so begaben wir uns auf eine zweite Wanderung in den Zedernwald.
Zunächst bestand der Wald fast nur aus Kiefern und besonders ich fragte mich, wieso das Gebiet Zedernwald hieß! Es ging stetig bergauf und auf einmal waren sie da: Die Zedern und die tollen Blicke aufs Umland. Am Wegesrand blühten Orchideen, Traubenhyazinthen und der von uns so genannte falsche Ginster. Am Belvedere machten wir Picknick. Danach ging es ziemlich kraxelig bergab bis zur Pestmauer. Diese war im Jahre 1721 errichtet und von tausenden Soldaten bewacht worden, um die Ausbreitung der Pest auf die damalige Grafschaft zu unterbinden. Wir wanderten 1100 m weiter an ihr entlang und staunten über ihren gut erhaltenen Zustand. Nach der Rückkehr ins Ferienhaus bot Ralf an, für das Abendessen zu sorgen. Er kaufte ein und es gab Pizza mit Rotwein zum Ausklang des spannenden Wandertages.
Tag 2: Dienstag, 24.3.2026
An einer Klosteranlage fuhren wir auf einen als privat markierten Parkplatz, der aber nicht nur für die Besucher des Klosters Notre-Dame de vie angelegt worden war. Von dort sollten wir lt. Komootine eigentlich einer Straße folgen, aber ich entdeckte einen unscheinbaren Wegweiser mit der Aufschrift Chemin Estive – Sommerweg. Dieser Weg führte an einem Bach entlang und war viel schöner als die Straße. Bald kamen wir zum Abzweig und mussten erste Wasserlachen umklettern. Der Boden an trockenen Stellen der Schlucht war übersät von Steinen und immer wieder zwangen uns Wasserbecken zu artistischen Einlagen. Schließlich beschlossen wir umzukehren und einen anderen Wanderweg oberhalb der Schlucht zu nehmen. Ein kräftiger Anstieg führte bis zu Felsformationen, über die wir kraxelten. Zuvor stärkten wir uns in einem Thymianfeld und hielten immer wieder Trinkpausen ab. Der von Schnee bedeckte Mont Ventoux kam ins Bild und gleich fühlte sich die Luft kälter an. Unser Wanderweg war gesäumt von Weinfeldern, Mininarzissen, Obstbaumanlagen, Kiefern sowie weißen Eichen. An einem Borie – typisches Steinhaus in der Provence, ruhten wir beim Picknick aus. Danach begann der sehr steinige Abstieg bis zum gemütlichen Sommerweg. Auf der Terrasse des Ferienhauses gab es Käffchen und Madeleines. Nachdem wir uns ausgeruht hatten, fuhren wir in den Ortskern von L’Isle-sur-la-Sorgue, um durch die verzweigten Gassen zu spazieren.
Der Ort ist geprägt von den Abzweigungen der Sorgue, von Kanälen und zahlreichen noch vorhandenen Wasserrädern. Es gab und gibt viel Textilindustrie. Uns erschreckten die knatternden, stinkenden Motos sowie die rasenden Autofahrer in den labyrinthischen Gassen, was den Genuss des Spaziergangs etwas beeinträchtigte. Viele Restaurants waren noch geschlossen, so dass wir ein lustiges Resteessen mit Quiche, Pizza, Käse und Rotwein in unserem Domizil veranstalteten.
Tag 3: Mittwoch, 25.3.2026
Den für mich absoluten Höhepunkt der Frühlingsreise bildete der Wandertag in und um Fontaine-de-Vaucluse. Hier entspringt die Sorgue, die später in die Oevèze und die Rhône mündet. Die Quelle befindet sich am Fuße einer 240 Meter hohen Klippe in der Mulde eines geschlossenen Tals, lateinisch „Vallis Clausa“, das 1793 dem Departement Vaucluse seinen Namen gab. Die Sorgue wurde ob ihres Wasserreichtums (mit einem Gesamtfluss von 630 Millionen m³ pro Jahr ist sie die größte in Frankreich und eine der größten der Welt) von den Menschen in viele Abzweigungen geteilt, so dass es wohl niemals Wassermangel in ihrem Gebiet gab und geben wird. Leider kann die Grotte mit der Quelle nicht mehr besichtigt werden, da das Kalkgestein brüchig geworden ist und Abstürze drohen. Das Sicherheitsrisiko ist zu hoch und daher ist der Zugang bis auf weiteres gesperrt.
Wir begannen den Tag mit dem Aufstieg zur Burgruine, der wieder einiges an Sportlichkeit abverlangte. Von oben wurden wir wiederum mit einem tollen Weitblick belohnt. Der Abstieg gestaltete sich deutlich sanfter und lieblicher durch den frühlingsgrünen Berghang. Am Ende des Weges standen wir vor einem Garten, der uns mit Anemonenblüten in vielen Farben entgegenleuchtete.
Anschließend wandelten wir durch eine unterirdisch angelegte Galerie mit Boutiquen, bis wir nah an die Quelle der Sorgue gelangten. Auf dem Rückweg zum Auto beratschlagten wir, wie der Tag weiter verlaufen sollte. Ich behauptete felsenfest, dass wir irgendwo sicher eine Crêperie fänden zum Pausieren und Schnabulieren. Ralf blieb skeptisch und das war gut so!
Wir fuhren also weiter zum Künstlerort Pernes-les-Fontaines. Im Ferienhaus hatte ich eine Broschüre entdeckt und gelesen, die die einzelnen Künstler, die sich hier niedergelassen hatten, mit ihren Ateliers und Gewerken beschrieb. Dort wollte ich gern mit meinem Liebsten flanieren.
Ralf hatte sich am Morgen vorsichtshalber eine Notschnitte bestellt, die er vor dem Spaziergang verspeiste. Später fuhren wir nach Carpentras, wo es Galettes und Cidre auch noch am Nachmittag zu essen gab. 😉
Pernes-les-Fontaines ist ein charmanter Ort am Flüsschen Nesque mit einem Uhrenturm, einer Kirche und dem Sonnenpfad. Die Sonne ist im Wappen enthalten und hilft, den Weg zu den Künstlerateliers zu finden. Wir besuchten gleich zu Beginn eine kleine Werkstatt, in der eine junge Frau Bücher restauriert und Bücher in vielerlei Formen zum Malen, Schreiben, Aquarellieren aus selbst geschöpften Papier herstellt. Wir kamen schnell ins Gespräch und erhielten interessante Einblicke in ihr Metier. Zum Schluß erstanden wir zwei ihrer Büchlein und freuten uns auf weitere Begegnungen. Diese blieben leider aus, da einige der Ateliers, die uns interessiert hätten, geschlossen waren. Dennoch war es ein schöner Spaziergang auf dem Sonnenweg und im Sonnenschein.
Den stürmischen Abschluss des erlebnisreichen Tages bildete die Besichtigung der Schlossruine von Thouzon. Diese wird seit vielen Jahren von Freiwilligen saniert und befindet sich jedoch in Privatbesitz. Wir wurden ordentlich durchgeweht, konnten aber noch einmal wunderbar über die Landschaft des Luberon blicken.
Tag 4: Donnerstag, 26.3.2026
Das Thermometer bestätigte am Morgen den vorhergesagten Temperatursturz und auch der Wind hatte deutlich zugenommen. Nachdem wir unsere Sachen im Auto verstaut und die FeWo besenrein verlassen hatten, begegneten wir auf dem Parkplatz noch der Vermieterin. Sie erkundigte sich, ob alles in Ordnung war und wünschte uns eine gute Heimfahrt.
Auf dem Rückweg nach Montpellier,machten wir Station in Le Thor, einem kleinen Ort mit Wasserrädern und einem imposanten Stadttor. Da es doch recht ungemütlich geworden war, hielten wir uns nicht allzu lange dort auf. Lediglich in der Kirche kamen wir zu Atem. Dort erhielten wir einige Hinweise zu Fotos von Skulpturen, die wir aber im Inneren nicht finden konnten. Missverständnis? Eine quirlige Schulklasse, der wir ein weiteres Mal im Ort begegneten, trat ein und wir wurden freundlich von jedem Einzelnen gegrüßt.
Die Fahrt nach Hause verlief ohne Komplikationen und als erstes stellten wir die Heizung an, denn auch hier war es deutlich kälter geworden.