Geburtstagsreise nach Spanien

Sonntag, 5. Mai. Schon lange hatte uns unser Freund Boris angeboten, im Ferienhaus seiner Eltern an der spanischen Mittelmeerküste Urlaub zu machen. Unsere erste Idee, Anfang Februar dorthin zu fahren wurde verworfen, da die Heizungskapazitäten in ihrem Appartement nicht für die Wintersaison ausgelegt sind. Daher verschoben wir die Reise auf den Wonnemonat Mai. 🙂 Die Fahrzeit von Montpellier bis Fornells beträgt nur drei Stunden. Nachdem wir am Vorabend noch in der alten Oper von Montpellier den Trickfilm « Die Abenteuer des Prinzen Ahmed » von 1926 mit Live-Musikbegleitung erlebten, machten wir uns am Sonntagmorgen in aller Seelenruhe auf den Weg. Das Feriendomizil war schnell gefunden und wir nutzten den Nachmittag für einen ersten Spaziergang entlang der abwechslungsreichen Küste.


Montag, 6. Mai. Ich hatte zwei Küstenwanderungen geplant, die direkt vom Appartment ausgingen. Die erste der beiden führte in südliche Richtung.  Wir liefen abermals den Weg, den wir schon am Vortag erkundet hatten. Nach einigem Auf und Ab und dem Verlust meiner Sonnenbrille erreichten wir den sandigen Strand von Aiguablava. Von dort führte ein kurzer Panoramaweg in Richtung eines größeren Hotels. Der Pfad rund ums Kap erschien uns wenig vertrauenswürdig und wir liefen auf der Zufahrtsstraße wieder hinunter zum Strand. Von dort schlängelte sich ein Wanderweg ein Tal hinauf zu einem Mirador (Aussichtspunkt). Danach mussten wir einer Straße durch bebautes Gelände folgen und es dauerte nicht lange, da standen wir in eine Sackgasse und der von Komoot vorgeschlagene Pfad verlor sich steil bergab im Nichts. Enttäuscht machten wir kehrt und wanderten zurück zu unserer Unterkunft, wo wir unser Picknick für den Abend in den Kühlschrank zurücklegten and stattdessen genüsslich die von Birgit zubereitete Quiche und den von mir gebackenen Kuchen auf der Terrasse mit Blick aufs Meer verspeisten.

Der Tag war noch jung und wir beschlossen, ins nahegelegene Begur zu fahren. Vom Parkplatz gelangten wir schnell ins Zentrum des historischen Ortes, über den die Ruine einer ehemaligen Burg thront. Auf dem Weg hinauf zur Burgruine kamen wir an einem sektschlürfenden verliebten Pärchen vorbei. Was war wohl der Anlass für dieses Stelldichein? Oben angekommen, bot sich uns ein herrlicher Rundumblick. Auch erblickten wir einige Türme der ehemaligen Verteidigungsanlagen. Diese dienten dem Schutz vor Seeräubern, die die Küste unsicher machten. Überrascht waren wir von den unzähligen Bürgerhäusern, in denen zu Wohlstand gekommene Rückkehrer aus Lateinamerika gewohnt haben.

Dienstag, 7. Mai. Nach Girona wollten ich schon lange mal mit Birgit. Ich war dort mal vor ca. 20 Jahren mit Boris, als wir uns mit Lucia trafen, einer ehemaligen Kollegin von mir, mit der ich längere Zeit das Büro in Halle geteilt hatte. Noch heute steht eine Kommode in unserer Wohnung, die aus Lucias Hausstand in Halle stammt. Die Fahrt nach Girona dauerte eine Stunde. Zu unserer Überraschung herrschte ein derartiger Andrang in Girona, dass es uns unmöglich war, einen freien Platz auf den doch recht großen Parkplätzen zu ergattern. So drehten wir um und parkten etwas außerhalb am Straßenrand der Einfallstraße nach Girona. Von dort liefen wir zur alten Stadtmauer, die in diesem Abschnitt uns allein überlassen war. Es boten sich schöne Blicke über die Altstadt von Girona mit ihren Ziegeldächern und Kirchtürmen. Besonders bewunderten wir den dreieckigen Turm Mirador de Santa Llúcia. Außerhalb der Stadtmauer umrundeten wir die Altstadt, um uns dann erneut auf der inzwischen gut besuchten Stadtmauer dem Gelände um die Kathedrale zuzuwenden. Später schlenderten wir durch die Gassen und bestaunten manch hübsches Geschäft und die eine oder andere Bar. Wir selbst kehrten in einem Café ein, wo wir leckere Bagels und Limonade verputzten. Später überquerten wir den Fluss Onyar. Im Wasser spiegelten sich schön die Fassaden der pastellfarbenen Altstadthäuser. Zu guter Letzt setzte starker Regen ein und wir eilten zurück zu unserem Auto. Gut, dass wir an die Regenschirme gedacht hatten!

Mittwoch, 8. Mai. Der achte Mai ist ein besonderer Tag, denn es ist Birgits Geburtstag! Statt Blumenstrauß gab es einen Strauß bunter Acrylfarben. 🙂 Nachdem die Geschenke ausgepackt waren, machten wir uns auf zur zweiten Küstenwanderung, die uns diesmal in nördliche Richtung führen sollte. Gleich zu Beginn ging es mit einigen Kraxeleien steil bergauf. Oben angekommen, bot sich ein schöner Blick zurück auf Fornells und das Mittelmeer. Leider bot der Weg nur für relativ kurze Zeit dieses Panorama in Blau. Dann stiegen wir hinab zu einem ehemaligen Leuchtturm und einem geheimnisvollen Tunnel mit anschließendem Seeblick. Es ging noch weiter hinab und Birgit fremdelte mit dem Gedanken an den strapaziösen Rückweg. Etwas oberhalb eines Caps wehte uns der Wind fast um und wir beschlossen, die Tour zu beenden und zurück zum Appartment zu wandern. Ziemlich geschafft erreichten wir die Terrasse…

Für den Abend hatte ich Plätze im Sternerestaurant Vicus in Pals reserviert. Vorher blieb uns noch Zeit, den pittoresken Ort zu durchstreifen. Anschließend ließen wir uns kulinarisch verwöhnen. Weder Essen noch Service ließen zu wünschen übrig. Sicher fuhr ich uns trotz Wein und Zitronenlikör zurück zu unserer Ferienunterkunft. Müde fielen wir ins Bett, doch ich kämpfte mit Schlaflosigkeit und Fiebergefühlen, so dass wir am Folgetag vorzeitig abreisten. Dank Birgits berühmter Hühnerbrühe war ich bald wieder auf dem Posten. Und vielleicht fahren wir ja nochmal irgendwann in diese Gegend…

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Graffiti-Tour in Montpellier

Am heutigen Tage wäre meine Mutter 91 Jahre alt geworden. Birgit hatte Dienst und ich ging auf Entdeckungstour im Stadtzentrum von Montpellier. In den vielen alten Gassen finden sich immer wieder neue Motive. Da mein letzter Rundgang schon einige Zeit zurücklag, lichtete ich einige der neueren Graffitis ab. Schaut selbst!

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Capitellen-Wandertag in der Garrigue

Unser Fitnessprogramm ist in vollem Gange. Für dieses Wochenende hatte ich eine durchgängig markierte Wanderung in der Garrigue herausgesucht. Das besondere war, dass uns die Tour zu einer Reihe sogenannter Capitelle führen sollte. Eine Capitelle ist eine Hütte aus trockenem Stein, d. h. ohne Mörtel, die früher im Departement Gard kleinen Landbesitzern, ihren Werkzeugen und ihren landwirtschaftlichen Erzeugnissen als vorübergehender Unterstand diente. Diese Bezeichnung wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts von Gelehrten übernommen, die ähnliche Bauten in den benachbarten Departements untersuchten. Wir sind auf unseren Touren schon einigen dieser Bauten begegnet. Diesmal konnten wir zehn weitere unserem Repertoire hinzufügen. Dazu mussten wir auf schmalen, aber gekennzeichneten Pfaden durchs Gestrüpp wandern. Plotzlich standen wir vor einem rot-weißen Absperrband, wie wir sie aus diversen Krimis kennen. Uns erschien die Absperrung aber nur ein « minimal verboten » zu bedeuten. Außerdem war nicht klar, ob wir uns im oder vor dem abgesperrten Bereich befanden. Oder war es nur ein Richtungshinweis für Crossläufer? Mutig marschierten wir weiter und erkundeten eine weitere Capitelle, als ein Pulk rasender Radler durch Gebüsch schoss. Aha! Vorsichtig setzten wir unseren Weg fort und fanden heraus, dass ein Sportevent mit verschiedenen Streckenführungen durch die Garrigue stattfand. Später kam uns ein Rettungswagen entgegen und wir trafen auch auf einen Radler, dessen Fahrrad arg lädiert aussah. Ganz schön riskant, die Sache! Wir waren froh, als wir die Zieleinfahrt erreichten und die tollkühne Streckenführung verlassen konnten. Kurze Zeit später trafen wir zwei Wanderinnen, die uns nach dem Weg fragten, um dann aber in die entgegengesetzte Richtung weiterzulaufen. Nun ja…
Am Rande eines Weinfeldes experimentierte Birgit mit ihrer Fotokugel, die sie von Liane geschenkt bekommen hat und die sich auch gut als Trainingsballast bewährte. 🙂 An einem kleinen, künstlich angelegten Teich legten wir unsere größere Picknickpause ein. Im Schatten wehte uns ein noch recht frischer Wind um die Nase, so dass wir bald weiterliefen. Anschließend querten wir das Dorf Junas, das für sein Jazzfestival überregional bekannt ist. Etliche Straßen und Gassen sind nach Jazzmusikern benannt, von denen wir jedoch so gut wie niemanden kannten. Wen wir jedoch gut kannten war Sartre, der in einem der Häuser eine zeitlang gewohnt hat. Voller Eindrücke kehrten wir auf schönen Pfaden zu unserem Auto zurück. Kurz vor Montpellier nahmen wir noch eine Anhalterin mit, die sich auf Pilgerschaft auf dem Jakobsweg befand… Ob wir auch mal zu solch einem Abenteuer aufbrechen werden?

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Frühlingsspaziergänge durch Montpellier

Heute vor 17 Jahren, am 11. April 2007, kam ich im strömenden Regen in Montpellier an. Zum ersten Mal begannen Ralf und ich ein gemeinsames Leben unter einem Dach! Und das in einem Land, dessen Sprache wir nicht beherrschten! Ein Abenteuer? Wagemut? Neugier? Neuanfang? Es war von jedem etwas und es war auch ein unfreiwilliger Weggang! Ihr wißt weshalb und ihr kennt z.T. auch unseren Werdegang. Ich hatte mich mit meiner Malfreundin, die ich seit fünf Jahren kenne, zu einem Stadtbummel verabredet. Der Frühling war gerade so richtig in Fahrt gekommen, so dass wir dem botanischen Garten von Montpellier einen Besuch abstatteten. Ich versteckte dabei wieder zwei bemalte Steine und wir genossen die gemeinsame Zeit. Am Abend zelebrierten wir meine Ankunft mit Apéro, Käseplatte, Baguette und Rotwein!
La vie est belle!

Freitags hat Ralf noch bis Anfang Mai mittags Arbeitsschluss. Ich hatte frei, da WE-Dienst. Nach dem Essen schlug mein Liebster vor, mit der Tram, die wir Einwohner der Metropole gratis nutzen können, zum neuen Rathaus zu fahren und von dort durch die Gassen heim zu schlendern. Wir liefen durch die warme Sonne, erledigten eine Postsache, schleckten eine Kugel Eis und besuchten dann auch noch den botanischen Garten. Ich zeigte Ralf die Blumenwiesen, die Froschkönige und meine versteckten Steine. Einer hatte bereits einen neuen Besitzer gefunden – ein Kind? Den zweiten hatte ich in ein Kakteenbeet bugsiert und da lag er noch immer. 🙂
Ein entspannter Nachmittag, an dem ich Kraft für den Dienst in der Altersresidenz schöpfen konnte!

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Trainingswanderung am Pass des Windes

Eigentlich war ich heute voller Elan für den Frühjahrsputz, aber es gibt unangekündigt kein Wasser an diesem Morgen, so dass ich beschlossen habe, über unsere letzte Wanderung zu berichten.
So langsam müssten wir mal trainieren für den Sommerurlaub, stellten wir beim Frühstück am Samstag fest. Da ich seit Januar jedes zweite WE arbeite, bleibt uns zum Wandern weniger Zeit. Saharastaub verdeckte die Sonne am Sonntag und so war es trüb und kühl. Da wir gute Wanderausrüstung haben, störte uns dies nicht. Der zunächst angestrebte Parkplatz existierte nicht mehr und so fuhren wir bis hinauf zum Pass des Windes. Von dort starteten wir unsere Runde. Die erste anspruchsvolle Kraxelei erwartete uns gleich zu Beginn der Randonée und wurde mit schönen Blicken übers Land bis Sète, Cap d’Agde und dem Meer belohnt. Anschließend ging es immer steiler werdend bergab, bis wir zu einem ausgetrockneten Flussbett gelangten. Dort verlor sich der Weg und die Markierungen immer mehr im Dickicht. Schweren Herzens beschlossen wir umzukehren, was nun wirklich nicht unsere Gewohnheit ist. Also zurück und diesmal steil bergauf, vorbei an Ruinen, verschütteten Dolmen und immensen Steinmännern. An der Ruine einer Schäferei gönnten wir uns ein zünftiges Picknick! Die Wanderwege waren gesäumt von wunderschönen Frühlingsblumen und auch ein paar Vögel sangen ihr Lied. Nach weiterem Auf und Ab kamen wir erschöpft, aber froh zurück zum Ausgangspunkt.

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Osterspaziergang

Nach dem stürmischen, verregneten, Dienst gehabten Osterwochenende hatte sich heute Morgen auch der letzte Saharasandkrümel am Himmel verzogen, so dass wir am gemeinsamen freien Ostermontag eine schöne Wanderung in Erwägung zogen. Nun wurden in der Nacht von Samstag zu Sonntag mal wieder die Uhren nach dem Motto: « Keiner will es, aber alle machen mit! » umgestellt, so dass sich Aufwachen, Aufstehen und Frühstück etwas verschoben. Angesichts dessen starteten wir zu einer Strandwanderung in Maguelone. Am Parkplatz bemerkte ich Ralfs fixierten Blick und gleich darauf sagte er sehr feierlich: « Das ist kein Aprilscherz! Ich sehe die Pyrenäen! Oder sind das Wolken? » Ich drehte mich um und wirklich: Da sah ich ganz deutlich die schneebedeckten Höhen der imposanten Berge in der Ferne, die hinter und neben dem Berg von Sète in der Sonne erstrahlten! Genial!
Unter blauem Himmel und bei leichten Böen liefen etliche Naturfreunde und ihre lebhaften Kinder mit uns in Richtung Strand. Wir bogen dieses Mal zur Kathedrale ab und genossen die schönen Blicke in die Weite. Bald kamen wir zum Übergang an den Strand und staunten nicht schlecht, dass sich das Meer bis fast an die Dünen herangeschwemmt hatte. Ein Fußweg blieb uns auf dem schmalen Sandstreifen, der mit Steinen, Muscheln und Holz übersät war. Ein paar Fundstücke hoben wir auf und ich bemalte später zu Hause einige der Steine. Das Mittagessen konnten wir nach dem Spaziergang sogar auf dem Balkon einnehmen! Mal sehen, was der April nun bereit hält!

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Von Lecques zum Convent Notre-Dame de Prime Combe

Unser Sommerurlaub naht und wir müssen etwas für unsere Fitness tun. Zum Einwandern ging es nach Lecques, einem kleinen Ort am Ufer des Vidourle. Vom Parkplatz unweit des Örtchens liefen wir am gegenüberliegenden Ufer entlang des Flusses. Der Weg führte parallel zu einer alten Eisenbahnstrecke, deren Gleisbett vielleicht eines Tages als Radwanderweg genutzt wird. Zumindest ist solcherlei Planung auf der Komoot-Karte vermerkt. Unterwegs gesellte sich ein Hund zu uns, der aber bald wieder zu seinem Herrchen oder Frauchen zurückfand. Vor dem Dorf Vic-le-Fesq machten wir kehrt und stiegen den bewaldeten Hügel hinauf. Oben angekommen trafen wir wieder mal auf eine Hütte aus Steinen, auch Cabane oder Borie genannt. Solcherart Bauwerke sind unter dem Sammelbegriff Kraggewölbebauten bei Wikipedia näher beschrieben. Wie drehten eine Runde um den Gipfel, wobei wir an einer Kreuzigung, einer Madonna und einer Kapelle namens Consolatrix afflictorum, der Trösterin der Betrübten, vorbeikamen. 🙂 Anschließend senkte sich der Pfad zum Convent Notre-Dame de Prime Combe, einer recht großen Anlage, die offenbar noch in Betrieb ist und Veranstaltungen anbietet. Diesmal sollten wir nicht allein bleiben, denn so manche Wandergruppe nahm wie wir ein mitgebrachtes Picknick (frz. Pique-nique) ein. Die Convent-Katze war offentsichlich an Besucher gewöhnt und hoffte auf eine kleine Spende. Der Rückweg war schnell gefunden, doch an einer Stelle verpassten wir ein Abzweig und wir standen auf dem alten Gleisbett anstatt auf der Brücke über uns. Eine kleine Kraxelei führte uns zurück auf den rechten Weg und wir liefen bis zum Ort Lecques, dem wir noch einen Besuch abstatteten, bevor wir die Rückfahrt antraten.

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Auf Entdeckung im Naturreservat Scamandre

Vor einiger Zeit waren wir in der kleinen Camargue unterwegs und kamen am Centre du Scamandre vorbei, einem abgeschlossenen Naturreservat, das damals in der Tat verschlossen war. Nun besannen wir uns dieses Ortes und fuhren erneut dahin. Auf bequemen Wegen, teils übers Wasser errichtet, kann man dort auf Naturbeobachtung gehen. Insbesondere Ornithologen fühlen sich von diesem Ort angezogen, wie an den Männern ersichtlich war, die mit großen Kameras durchs Reservat stapften. Aber auch für Familien ist dieser Ort bestens für eine Ausflug geeignet. Wir beobachteten sogar eine Gruppe junger Leute, die mit Blinden unterwegs waren. Sicher haben diese für die Geräusche der Natur ein besonderes Ohr. Wir fragten uns, ob es nicht ein wenig riskant sei, ohne Augenlicht auf den Stegen zu laufen, die über keinerlei Geländer verfügten… Ein besonderer Höhepunkt war für uns, rostbraun gefärbte Vögel mit nach unten gebogenem Schnabel beim Flug zu beobachten. Wie wir später in einer kleinen Ausstellung erfuhren, handelte es sich dabei um den Braunen Sichler, einem weltweit verbreiteten Ibis, der allerdings in Frankreich eher selten ist und typischerweise in Osteuropa gesichtet wird. Abgerundet wurde dieser Ausflug mit Kaffee und Gebäck am Wegesrand. 🙂

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Es frühlingt in Montpellier!

Nach den Unwettern der letzten beiden Tage mit Sturm und viel Regen schien heute wieder die Sonne und die Temperaturen stiegen in den frühlingshaften Bereich. Nach dem Mittagessen fuhren wir mit dem 10er Bus bis zu den Arceaux und liefen von dort kreuz und quer durch die Stadt. Wir schleckten hier das erste Eis des Jahres, wunderten uns über die ausgesprochen intensive Bautätigkeit im Stadtzentrum und bummelten durch den Botanischen Garten. Dorthin hatte es mit uns heute noch viele andere Spaziergänger gezogen. Daheim angekommen, bewunderten wir unsere Bepflanzung auf dem Balkon und nun freuen wir uns auf weitere sonnige Tage!

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Winterreise in die Normandie

Zweimal schon waren wir in der Nebensaison an der französischen Atlantikküste. Beide Male verschlug es uns auf eine Insel, die allerdings per Brücke befahren werden konnten. Zwar stehen noch mehrere Inseln auf unserer Wunschliste, doch diese sind alle nur per Fähre erreichbar. So überlegten wir, wo wir denn sonst so an eine uns unbekannte Küste fahren könnten, und wir erinnerten uns an Étretat in der Normandie mit seiner beeindruckenden Steilküste. Also machten wir uns Anfang Februar auf den Weg gen Norden…

Tag 1: Wandern entlang der Alabasterküste.
Die Wettervorhersage fiel recht bescheiden aus und angeblich sollte lediglich der erste Tag frei von Niederschlägen bleiben. Also widmeten wir diesen Tag der längsten und wohl auch schönsten Tour, die ich im Vorfeld geplant hatte. Nachdem wir das Frühstück mit frischem Baguette vom ortsansässigen Bäcker verspeist hatten, machten wir uns auf den Weg nach Le Tilleul, wo uns ein kostenloser Wanderparkplatz erwartete. Zunächst liefen wir durch ein Waldstück, in dem wir zwei Rehe erspähten, bevor die Tour über offenes Gelände in Richtung Meer mit seinem Leuchtturm, dem Phare d’Antifer, führte. Dort angelangt, folgten wir dem Pfad entlang der Kante der Steilküste und genossen die weite Sicht übers Meer mit seinen vielfältigen Blautönen. Nach einer Weile gelangten wir an eine Treppe, die hinab zum Strand führte. Birgit war nicht zu halten… und ich marschierte hinterher. Eine sich am Strand abzeichnende Figur aus Steinen erinnerte an die Szene in einem Kriminalfilm. Wir ließen es uns nicht nehmen und verzierten die Figur, so dass sie nicht mehr gar so unheimlich aussah. 🙂 Wir lauschten der Brandung und ließen unsere Blicke über die unzähligen Steine schweifen. Später lernten wir, dass es verboten ist, Steine zu sammeln, da sie als Schutz vor den gefräßigen Wellen dienen.
Bald setzten wir den Weg fort, der uns abermals am oberen Rand der Steilküste entlang führte. Nach einem weiteren Kilometer ging es erneut hinab zum Strand, dem wir bis zu einem Felsdurchbruch in Form eines Schlüssellochs folgten. Von dort sahen wir zum ersten Mal das große Felsentor von Étretat, die Falaise La Manneporte. Wir bestaunten die Felsen mit ihren waagerechten Streifen und sonstigen Mustern – Zeugen der Erosion. Erneut mussten wir die Steilküste erklimmen und gelangten nun auf einen Abschnitt, der nicht mehr ganz so einsam war wie zuvor. Je näher wir Étretat kamen, desto mehr Ausflügler begegneten uns. Von der Pointe de la Courtine mit ihrem sog. Hexenloch (Le trou de la sorcière), auch als Auge des Pandas (L’oeil du Panda) bekannt, bot sich uns erneut ein herrlicher Blick übers Meer und die Manneporte-Klippe. Auf dieser angelangt, erspähten wir schließlich das Wahrzeiten von Étretat, das Aval-Tor (Porte d’Aval) und die Nadel (Aiguille) von Étretat. Bald kamen wir auch dort an und vor uns zeigte sich der steinerne Strand von Étretat. Da uns noch Zeit blieb, stiegen wir hinab zum Strand. An zwei drei Stellen waren Informationstafeln aufgestellt, auf denen man sehen konnte, wie Claude Monet die Landschaft ins Bild gesetzt hat. Im Ort war besonders die Markthalle sehenswert, die zu Kriegszeiten als Lazarett gedient hatte. Im Hinterland ging es zurück zum Parkplatz, wobei uns der Weg an einem Taubenturm vorbeiführte. Auf einer leichten Erhebung, dem ehemaligen Mühlberg von Tilleul, machten wir kurz Rast und erfuhren vom Schicksal der Windmühlen, die vor ca. 100 Jahren aus der Landschaft verschwanden…

Tag 2: Regenwetter.
Wie verhergesagt erwachte der Tag in trübem Licht. Wir beschlossen, am Vormittag in Ortsnähe zu spazieren und zum Mittagessen in eine Crêperie in Yport zu fahren und dort anschließend an der Küste entlangzuwandern. Am Ende kam es anders, aber der Reihe nach. Von unserer geräumigen und gemütlichen Ferienwohnung aus liefen wir zum Steilküste von Saint-Jouin-Bruneval, von wo sich ein Blick auf den Hochseehafen von Saint-Jouin-Bruneval bietet. Dieses imposante Bauwerk wurde in den 1970er Jahren zum Anlegen von Supertankern gebaut, für die der Hafen von Le Havre zu klein war. Damals war der Suezkanal wegen der Spannungen im Nahen Osten geschlossen und Öltanker mussten um das Kap der Guten Hoffnung fahren. Als Reaktion darauf wurden größere Tanker in Betrieb genommen, um die höheren Kosten der viel längeren Route zu kompensieren. Die zeitliche Abfolge erwies sich jedoch als ungünstig, denn im Jahre der Eröffnung des Hafens von Saint-Jouin-Bruneval wurde der Suezkanal, der für die neuen Supertanker grundsätzlich nicht passierbar war, wieder geöffnet…
Zurück im Ort kamen wir an der Kirche und dem verfallenen Schloss vorbei. Zwar nieselte es, doch der Tag war noch jung und so liefen wir abermals zur Küste, um uns das Restaurant Le Belvédère anzuschauen, in dem wir für den letzten Abend zu dinnieren planten. Auf den Informationstafeln neben dem Restaurant lernten wir noch mehr über den Bau und Betrieb des Hochseehafen. So mussten sich die Supertanker bereits 48 Stunden vor Ankunft beim Hafen anmelden, um das Anlegen und Löschen der Fracht vorzubereiten. Von unserem Vermieter erfuhren wir, dass noch immer ca. alle zwei Wochen ein Hochseeschiff den Hafen anläuft.

Zur Tagesmitte fuhren wir nach Yport. Die auserwählte Crêperie hatte jedoch leider geschlossen. Gut, dass wir auf der Anfahrt durchs Dorf ein Restaurant mit Gästen darin gesehen hatten. Wir wollten unser Glück versuchen. Allerdings sah es drinnen recht schick aus mit weißen Tischdecken und Weingläsern auf den Tischen. Und wir in Wanderklamotten. Aber wir wurden sehr zuvorkommend im Restaurant Normand bedient und das 3-Gänge-Menü ließ nichts zu wünschen übrig. 🙂 Gut gestärkt erklommen wir die westlich gelegene Steilküste. Der Weg war steil und matschig. Hoffentlich müssen wir hier nicht auch wieder runter. Doch so sollte es kommen, denn der Weg war aufgrund des langanhaltenden kräftigen Regens unpassierbar, es sei denn, man marschiert in Gummistiefeln. Also stiegen wir vorsichtig wieder hinab, erkundeten den Strand und machten uns bald auf den Heimweg. Unterwegs legten wir noch einen kurzen Zwischenhalt am Château de Sissi, einem extravaganten Hotel mit Restauration, ein.

Tag 3: Ausflug nach Honfleur.
Da für den vierten und letzten Tag wieder besseres Wetter vorhergesagt war, den wir daher für eine weitere Küstenwanderung nutzen wollten, schoben wir an Tag 3 einen Stadtausflug ein. Unsere Gastgeber hatten uns einen Ausflug nach Honfleur empfohlen und mit Bildern aus dem Internet auf ihrem Smartphone schmackhaft gemacht. Die Anfahrt mit Umleitung führte uns zunächst in den Hafen von Honfleur mit einem riesigen Kreuzfahrtschiff und der Containerskulptur von 2017, die anlässlich des 500. Hafengeburtstags errichtet worden war. Vor der Überfahrt der Pont de Normandie, der größten Schrägseilbrücke Europas, die die Seinemündung überquert, lasen wir im dortigen Informationszentrum einiges zur Entstehung und technischen Umsetzung dieses ehrgeizigen Bauwerks.
In Honfleur angekommen, schlenderten wir um das alte Hafenbecken und durch die angrenzenden Gassen. Mittagszeit! Und wieder war die von uns anvisierte Crêperie geschlossen. 🙁 Aber gleich um die Ecke hatten wir ein nettes kleines Restaurant, das Bistro des Artistes (Künstler-Bistro), gesehen. Dort saßen wir am Fenster mit Blick über das alte Hafenbecken und verspeisten regionstypische Blutwurst mit Kartoffelbrei. Im Anschluss besichtigten die hölzerne Kirche (die größte Frankreichs!) Église Sainte Catherine. Danach spazierten wir am Ufer der Morelle entlang und entdeckten im Garten der Persönlichkeiten viele uns unbekannte Größen der Region. Zwei jedoch kennen wir sehr gut, den Komponisten Erik Satie (*1866 in Honfleur) und den Maler Claude Monet (*1840 in Paris). Sein Bild Impression, eine Hafenansicht von Le Havre im Sonnenaufgang, gab der gesamten Bewegung ihren Namen. Vorbei am alten Leuchtturm, dem Phare de l’Hôpital, bogen wir in die historische obere Straße, Rue Haute, ein. Dort befindet sich das Geburtshaus von Erik Satie, in dem ein unterhaltsames Museum eingerichtet ist. Wir ließen uns vom verspielten Geist des Komponisten anstecken und fuhren lachend Karussel.
Der Rückweg führte uns an einem Spezialitätengeschäft vorbei, das nun zu allem Überfluss auch geschlossen hatte. Verflixt und zugenäht! Na ja, Geld gespart. Wir folgten weiteren Gassen durch Honfleur und passierten den Jardin du Tripot mit seinen Skulpturen, Wasserspielen und verwinkelten Ecken. Am Auto angekommen, fuhren wir nach Quillebeuf-sur-Seine. Dort setzt eine Autofähre gratis über die Seine. Dieses Schauspiel wollten wir uns nicht entgehen lassen. 🙂 Als wir wieder in unserer Ferienwohnung ankamen, war es draußen bereits stockfinster. So neigte sich ein toller Tag dem Ende engegen.

Tag 4: Die Alabasterküste östlich von Étretat.
Der letzte Tag kündigte sich mit blauen Himmel an. Vom Bäcker gab’s nochmal Baguette und diesmal auch Brioche. 🙂 Heute wollten wir an der östlich von Étretat gelegenen Steilküste wandern. Wir fuhren nach Bénouville, von wo ein Rundwanderweg in Richtung Étretat startet. Wir liefen auf die Küste zu und folgten dem Weg des Zöllners (Chemin des Douaniers) westwärts. In der Ferne drehten sich die Räder eines Offshore-Windparks. Bald erblickten wir eine weiße Nadel aus Kreide im Meer, die Aiguille de Belval. Wenig später erreichten wir die Klippe La Falaise d’Amont, vor der ein Felsen, der Roc Vaudieu, aus den Wasser ragt. Wir stiegen die Stufen bis zum Wasser hinab und entdeckten einen Stollen, der durch den Felsen auf die andere Seite der Klippe führt. Einige Wagemutige verschwanden vor uns im Tunnel. Sollten wir es auch wagen? Gesagt getan. Bald standen wir auf der anderen Seite und Étretat lag nicht mehr fern. Verbotenerweise (wobei wir im Nachhinein die verschiedenen Grade von Verboten gegeneinander abwägten) liefen wir unterhalb der Steilküste bis zum Ort, wo uns eine Treppe wieder nach oben zur Kapelle Notre-Dame-de-la-Garde führte. Gleich daneben befindet sich das Denkmal zu Ehren der beiden Piloten Charles Nungesser und François Coli, die im Jahr 1927 zum ersten Nonstop-Transatlantikflug aufbrachen. Am 8. Mai druckte die französische Zeitung „La Presse“ voreilig die Meldung eines Rekorderfolgs für den 9. Mai. Doch nachdem das Flugzeug in der Normandie bei Étretat ein letztes Mal gesichtet worden war, blieb es verschollen. 🙁 Der Besuch des Gartens von Étretat sollte der Höhepunkt dieser Wanderung werden. Doch auch dieser hatte bis Mitte Februar geschlossen. Ein großes Schade stand Birgit ins Gesicht geschrieben. Da müssen wir wohl nochmal wiederkommen?!
Auf Anraten unserer Gastgeber wählten wir für den Rückweg erneut den Weg des Zöllners entlang der Steilküste, anstatt dem Rundweg zu folgen. So lief der Film nochmal rückwärts ab. Mittlerweile ragten die Felsen noch etwas weiter aus dem Meer, da es auf Ebbe zuging. Zum krönenden Abschluss speisten wir zum Abend wie geplant im Edelrestaurant Le Belvédère . Lecker, insbesondere der Café gourmand! 🙂


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