Sommerurlaub 2026 – Etappe 1 in den Vogesen

In den Vogesen ist es schön gewesen. 🙂 Da tanzen die Hexen auf ihren Besen und wir haben nicht nur gelesen!

Unsere erste Urlaubsetappe führte uns vom 24. – 28. Mai nach Ternuay, einem kleinen Ort in den südlichen Vogesen. Die Fahrt dorthin verlief ohne Komplikationen. Wie schon desöfteren war die Punktlandung am Ferienhaus dann nicht so einfach. Das Navi hatte uns an ein außerhalb des Ortes gelegenes Gehöft dirigiert, was uns als Unterkunft ziemlich unwahrscheinlich erschien. Auch zwei weitere Häuser in der Umgebung erwiesen sich als falsch. Schließlich rief ich den Vermieter an und er fragte prompt: « Haben Sie ein weißes Auto? Dann habe ich Sie schon gesehen. Ich komme Sie abholen. » Kurz danach erschien ein freundlicher, älterer Herr, der uns zu unserem Domizil, einem hübschen Häuschen mit Terrasse, geleitete. Ehrlich gesagt waren wir erleichtert, als wir das Gîte in Augenschein nahmen, denn die anderen Häuser hatten einen suspekten Eindruck auf uns gemacht.
Nachdem uns alles gezeigt und die Kaution gezahlt worden war, richteten wir uns ein.
« Hier wirst du gut schlafen! » rief mir mein Liebster verschmitzt zu. Das Schlafzimmer war in orange gestrichen, was meine Lieblingsfarbe ist 🙂 Ich verliebte mich noch am selben Abend in den Anblick der Birken vor dem Badfenster. Zuvor hatten wir einen ersten Spaziergang in die Umgebung gemacht und uns u.a. an den Pfingstrosen sowie den herrlichen Vogelgesängen erfreut.

Tag 1 – Rundwanderung auf dem Plateau der tausend Seen

Nach dem Frühstück auf der sonnenbeschienenen Terrasse fuhren wir nach Beulotte-Saint-Laurent. Am Waldesrand fanden wir einen Parkplatz, wo ein zu einem Sitz geformter Baumstumpf meinem Liebsten als altersgerechte Anziehhilfe beim Schuhewechseln diente. 😉 Zunächst ging es leicht bergauf durch einen schattigen Mischwald. Die Vögel verwöhnten uns wieder einmal mit ihrem Gesang und auch Froschchöre waren zu vernehmen. Reihte sich doch Étang an Étang. Im ersten Teich befand sich eine Insel, auf der Birken wuchsen. An einem überdachten Picknickplatz pausierten wir und machten die Bekanntschaft mit einem französischen Pärchen. Sie erzählten von ihrem Umzug in die hiesige Gegend vor vielen Jahren und dass sie die Ruhe hier sehr schätzten. Wir begegneten uns noch weitere Male an diesem Tag.
Orchideenwiesen, Singletrails, einsame, idyllische Wassergrundstücke, eine Naturbank mit Seeblick sowie rosafarben blühende Seerosen konnten wir an unserem ersten Wandertag ausgiebig genießen. Auch waren wir positiv überrascht, dass wir nicht von unzähligen Mücken heimgesucht wurden.
Besonders interessant waren einige Schautafeln am Weg, die uns an einem Fotolehrgang teilnehmen ließen. Am letzten Rastplatz ging es um Porträtfotografie, was wir mit einem Selbstbildnis zelebrierten. Danach begann der Rückweg auf einer schier endlos scheinenden Teerstraße. Ziemlich erschöpft, aber frohen Mutes kamen wir am Auto an.
Abends spielten wir Federball und schafften nach einigem Bemühen gerade mal 20 Wechsel. 😮 Mit einer Partie Carcassonne ließen wir den schönen Tag ausklingen.

Tag 2 – Rund um das Schloß Lambert

Der kleine Ort Château Lambert sollte der Ausgangspunkt für unsere zweite Wanderung werden. Der von komootine angegebene Parkplatz erschien mir suspekt und ich bat Ralf weiterzufahren. Ich hielt die Ausbuchtung der Straße eher für eine Überholhilfe als für einen Parkplatz. Nach einigem hin und her landeten wir in einem Tal und dort war ein Wanderparkplatz direkt neben der Kirche ausgewiesen. Wir waren gerettet! Von dort ging es hinauf auf den Gipfel zur Skulptur der Notre-Dame, von wo aus wir einen guten Rundumblick auf die Umgebung hatten. Bei 32°C schwitzten wir ganz schön und freuten uns später über den Schatten im Wald. Leider waren die Forstwege sehr zerfahren und sowohl das Laufen sowie das Orientieren fielen uns schwer. Auch die Wanderfreude litt unter dem unwegsamen Pfad. Auf einem bemoosten Baumstamm nahmen wir unser Bananen-Picknick ein, bevor wir zum Zentrum der Naturfreunde weiter wanderten. Dort begegneten wir einigen Kindergruppen. Sie waren auf Schatzsuche, machten Geländespiele und hatten kleine Aufgaben zu erfüllen. Dies alles sollte ihnen die Natur und ihre Geheimnisse näherbringen. Wir beobachteten die Rangen und erfreuten uns an ihrer Lebhaftigkeit und ihrem Interesse. Später versuchte auch ich, Schmetterlinge zu fangen, aber es gelang mir nicht so gut.
Im Schatten der Lindenbäume, mit Blick übers Land, stärkten wir uns ein weiteres Mal. Anschließend konnten wir die Kirche besichtigen, wo gerade einige Gemeindemitglieder über Sanierungsmaßnahmen berieten. Von ihnen erhielten wir auch wertvolle Erklärungen zur Geschichte der Gemeinde.
Auf dem Heimweg füllten wir unsere Vorräte auf und kauften auch für jeden ein Kuchenstück. Während ich auf meinen Liebsten wartete, sprach mich ein halbwüchsiger Bursche nach Geld an. Ich war überrascht und fragte, wozu er es benötigte. Er antwortete, dass er etwas zu trinken kaufen wolle. Da es sehr heiß war, bot ich ihm eine Flasche Wasser aus unserem 6er-Pack an, was er gern annahm. Als wir abfuhren, sah ich, dass er einen weiteren Kunde anbettelte, und war froh, dass ich ihm kein Geld gegeben hatte. Mutprobe oder ein kleiner Schlawiner?!
Auf der lauschigen Terrasse unseres Feriendomizils schnabulierten wir Brombeer- und Heidelbeertarte. Anschließend gingen wir jeder unseren Neigungen nach: Ich aquarellierte und Ralf las.

Tag 3 – Kultur und Natur

Ralf hatte mir schon im Vorfeld der Urlaubsreise von der Anlage um die Kirche Notre-Dame-du-Haut Ronchamp vorgeschwärmt, die er bereits vor vielen Jahren vor unserer gemeinsamen Zeit erkundet hatte. Unser Ferienort lag nicht weit davon entfernt. Wir konnten sie nun zusammen erkunden. Am Eingang lasen wir davon, dass man ein Architektendiplom erhalten würde, wenn man mindestens sechs der vorgegebenen, in und um die Kirche versteckten Symbole entdeckte. Dies motivierte unsere Aufmerksamkeit zusätzlich und tatsächlich sammelten wir die nötigen Punkte. Am Ende unseres Rundganges über das Gelände erhielten wir das Diplom von einer deutschsprachigen Hostess. Außerdem erstanden wir zwei Espressotassen mit Ronchamp-Grafiken, die unsere kleine Sammlung komplettieren werden.

Der Tag war noch jung, so dass wir eine kleine Nachmittagswanderung um das Dorf Esmoulières unternahmen. Der gut markierte Weg war leider größtenteils asphaltiert, was bei den sommerlichen Temperaturen teilweise recht beschwerlich wurde. Einiges erinnerte uns an den Böhmerwald. An einem plätschernden Bach pausierten wir auf einer klappbaren Bank. Diese Art von Picknickbänken sahen wir mehrmals in dieser Gegend, was uns überraschte. Was war der Hintergrund für die Bauweise? Mit einem älteren Paar plauderten wir ein wenig am Gartenzaun. Ansonsten war es sehr still um die Blumen- und Gemüsegärten. Auf Infotafeln lasen wir davon, wie die vielen Étangs/Teiche, die die Gegend prägen, entstanden sind. Sie wurden von Gletscherwasser gefüllt, welches bedingt durch die Granitflächen nicht abfließen oder versickern konnte. Mein Traum von einem erfrischenden Bad wurde nicht wahr, denn die meisten Gewässer waren in Privatbesitz oder viel zu morastig, um darin zu schwimmen. Nach kurvenreicher Fahrt kamen wir am Gîte an, wo unser Gegenüber wieder leidenschaftlich dabei war, Rasen und Hecke zu bearbeiten! Wir nahmen es mit Humor. 🙂

Tag 4 – Rund um La Mer im sog. kleinen Finnland

Unser letzter Urlaubstag begann mit einer Wanderung vom Nachbarort La Mer aus. Nachdem wir ein gutes Stück auf der Landstraße gelaufen waren, überraschte uns ein Strick zwischen zwei Bäumen, der den Zugang zu unserem Wanderweg verwehrte. Nach kurzer Beratung kletterten wir einfach drüber und setzten unseren Weg unbeschwert fort. Schilder mit roten Punkten und der Aufschrift Grimpeur ließen uns rätseln, welche Bedeutung sie wohl hätten. Nach einiger Überlegung kamen wir darauf, dass es was mit Hinweisen für Radler zu tun haben musste. Bergwertung! Genau! Das Trikot des Bergkönigs bei der Tour de France war mit roten Punkten bedruckt. Fröhlich liefen wir weiter und nahmen eine Walddusche unter den Blätterdächern mit musikalischer Umrahmung durch Vogelgesänge der besonderen Klasse. Während unserer Bananenpause wurden wir gemeinerweise von Bremsen und Mücken überfallen, so dass wir rasch wieder aufbrachen und ein Feuchtgebiet durchquerten. Ein kohlrabenschwarzer Bach gluckerte am Weg entlang, bis wir zu mehreren Teichen gelangten. Farn wucherte zwischen den Bäumen, Wasser glitzerte in der Sonne und Seerosen blühten. Idyllisch war es und wir genossen diesen vorerst letzten Ausflug in die üppige Natur.
Den Abend ließen wir auf der Terrasse ausklingen. Der Rasentraktor hatte Pause, so dass es gemütlich wurde. 🙂

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