Die ungeraden Tage in der Tschechischen Republik

Am Sonntag stiegen wir zum ersten Mal in den Böhmischen Regionalzug und fuhren eine Station bis zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Die Zeit im Zug verging so schnell, dass wir gar nicht recht bemerkten, dass kein Schaffner kommt… Eigentlich hätte man am Automaten am vorderen Einstieg eine Fahrkarte lösen müssen. 😮 Schwester Monika war auch mit von der Partie. Leider fuhr aber an diesem Tage die Draisine nicht ins benachbarte Deutschland auf der kürzesten internationalen Bahnverbindung.
In Nové Údolí (Neuthal) angekommen, ließen wir das Kalte-Kriegs-Grenzmuseum rechts bzw. links liegen und liefen in großem Bogen durch die Böhmischen Wälder mit ihren Böhmischen Dörfern. Wiesen- und Hochwaldabschnitte wechselten sich in schöner Folge ab, immer wieder konnten wir Dörfer auf deutscher Seite erblicken, wohingegen die böhmischen Dörfer verlassen, verfallen, verschwunden waren als Folge der Nachkriegsteilung Europas. Der Weg war leider überwiegend geschottert oder geteert und erst am Ende der Tour hatten wir das Glück, auf weichem Waldboden zu wandern, bevor wir an kleinen Birkenwäldchen und Moorgelände zurück nach Stožec gelangten.

Für Dienstag hatte sich Regen angekündigt und wir nutzten die Vormittagsstunden für einen Einkauf in Volary (Wallern). Am Nachmittag wollten wir entlang des Schwarzenberger Schwemmkanals wandern. Laut Navi hätten wir mit der Kirche ums Dorf fahren müssen, um zum Ausgangspunkt unserer Wanderung in Jelení (Hirschbergen) zu gelangen. Wir stellten uns dumm und fuhren verbotenerweise auf gesperrten Forstwegen, was uns die verdutzten Blicke einiger Waldarbeiter einbrachte. 😮
Dann ging die Tour los! Zunächst oberhalb des 419 Meter langen Tunnels, dann entlang des Kanals mit seinen Zuflüssen, Weichen und Schleusen. Der Kanal diente dazu, das im Böhmerwald gefällte Holz in Richtung Wien zu transportieren. Das Projekt war vom Ingenieur Joseph Rosenauer (1735-1804) konzipiert worden und wurde erst lange nach seinem Tode im Jahre 1823 fertiggestellt – nach insgesamt 34 Jahren Bauzeit, also gefühlt so wie beim neuen Berliner Großflughafen. 😉 Alles in allem eine interessante Rundwanderung.
PS: Für die Rückfahrt nahmen wir den Umweg in Kauf, um nicht doch noch einem forstwirtschaftlichen Fahrzeugungetüm auf engem Fahrweg zu begegnen. 🙂

Für Donnerstag, dem letzten Tag im schönen Böhmerwald, hatten wir uns wieder eine Tour mit Bahnfahrt aus dem Rother Wanderführer Böhmerwald ausgesucht. Zunächst fuhren wir mit dem Auto nach Volary, wo wir in den Zug wechselten. Bemerkenswert, wie modern diese Regionalzüge ausgestattet sind mit Echtzeit-Fahrtanzeige und kostenlosem Hochgeschwindigkeits-Internet. Am Ausgangsort unserer Wanderung in Lenora (Eleonorenhain) angekommen, verlief der Weg zunächst oberhalb des Ortes durch eine idyllische Kleingartenanlage. Dann stiegen wir hinab und wanderten zur historischen Säumerbrücke, die über die Warme Moldau führt. Über besagte Brücke, die allerdings als moderne Straßenbrücke rein gar nicht an ihre historische Funktion erinnert, verlief im Mittelalter der sog. Goldene Steig. Anschließend erkundeten wir den Moorlehrpfad mit seinem Aussichtsturm, bevor wir eine Picknickpause auf dem nahegelegenen Campingplatz einlegten. Danach folgte ein herrlicher Wanderabschnitt über Wiesenpfade entlang von Moorgelände und Birkenwäldchen. Später ging es auf einem Sträßchen zurück nach Volary, wo wir uns über den Knödellieferservice und die Flaschensammelbehälter mit Füllstandanzeige amüsierten. 🙂
Zeitig waren wir wieder am Auto, so dass einem abschließenden Einkauf im tschechischen Supermarkt nichts mehr im Wege stand: Deftige Würste, Meerrettich, Kekse und Oblaten – Bier wollten wir erst ihn Bayern erstehen. Am Ende unserer Tage in der Tschechischen Republik ließen wir all die Tiere vor unserem inneren Auge Revue passieren, die wir in den letzten Tagen gesehen hatten: Schafe, Kühe, Ziegen, Pferde, Rehe, Hasen, Eichhörnchen, Hamster, Feldmaus, Biberspuren, Ringelnatter, Blindschleiche, Spechthöhlen, Eisvögel… und ja, auch einen Wolf, als wir nachts aus dem Restaurant in České Žleby zurück nach Stožec fuhren!

Ce contenu a été publié dans 2019, Birgit, Ralf, Tschechische Republik, avec comme mot(s)-clé(s) . Vous pouvez le mettre en favoris avec ce permalien.